Szenario: Die Plattform »LernSpur«
Gemeinsames Briefing für alle Mitspielenden
Lest dieses Briefing alle gemeinsam. Es beschreibt die Ausgangslage, die alle kennen. Wer ihr im Meeting seid, steht in der gemeinsamen Rollen-Übersicht; was ihr insgeheim wollt, steht auf eurer persönlichen Karte – die kennt nur ihr selbst.
Worum es hier eigentlich geht. Das Projekt »LernSpur« ist nur die Kulisse. Worauf es ankommt, ist die Dynamik am Tisch: Wie führt man ein Team, ohne Chef:in zu sein? Wie geht ihr mit Druck, vagen Wünschen und Zielkonflikten um? Am Ende zählt nicht, ob die „perfekte” Plattform herauskommt, sondern wie ihr miteinander verhandelt – darüber sprechen wir im Debrief.
Worum es geht (kurz)
Ihr arbeitet am Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung. Der Lehrstuhl untersucht, wie eine Mathe-Lern-App das Lernen von Schüler:innen beeinflusst. Dazu läuft eine Studie an 14 Partnerschulen.
Zwei Sorten Daten sind für heute wichtig:
- Nutzungsdaten der App – wer übt was, wie lange, mit wie vielen Fehlern
- Fragebögen von Schüler:innen und Lehrkräften
Dazu kommen – rechtlich heikler – einige Videoaufnahmen aus dem Unterricht. Die Daten liegen heute verstreut (Excel-Tabellen, eine alte Datenbank, Export-Dateien der App-Firma). Mehrere Promotionen hängen daran.
Der Lehrstuhl hat eine dreijährige Förderung bekommen, um daraus eine nachhaltige, FAIR-konforme Forschungsdatenplattform »LernSpur« zu bauen.
Die Konferenz. In 8 Wochen stellt der Lehrstuhl das Projekt auf der Jahrestagung der empirischen Bildungsforschung vor. Schon in 2 Wochen ist dafür ein kurzer Beitrag (Abstract) fällig – idealerweise mit ersten Ergebnissen aus den Daten. Das ist der Termin, der über allem schwebt.
Eure Ausgangslage
- Das Projekt ist bereits gestartet, die groben Ziele sind kommuniziert.
- Ihr kennt euch aus vorherigen Meetings – ihr duzt euch, die Stimmung ist freundlich.
- Vor drei Monaten wurde Robin als Research Software Engineer:in (RSE) eingestellt, um die Softwareentwicklung zu koordinieren.
- Wichtig: Robin hat keine disziplinarische Weisungsbefugnis. Robin ist niemandes Chef:in – und kommt nur weiter, indem sie/er die Beteiligten überzeugt, nicht anweist.
Das heutige Meeting (eure Aufgabe)
Heute findet das Anforderungs-Kickoff statt. Robin soll darin:
- das Ziel der Software kurz vorstellen und den Rahmen setzen,
- gemeinsam mit allen die Anforderungen sammeln und priorisieren,
- Aufgaben verteilen und Erwartungen klären,
- einen realistischen Plan für die ersten Wochen entwickeln.
Alle anderen bringen ihre eigenen Interessen, ihr Wissen und ihre Sorgen ein – und machen es Robin dabei manchmal nicht ganz leicht.
Achtung – typische Reibungspunkte. Die Domänenforschenden sagen Sätze wie:
„Wir wollen ähnliche Klassen miteinander vergleichen können.”
Für Robin stellt sich sofort die Frage: Was heißt ähnlich? Gleiche Jahrgangsstufe? Gleiche App-Nutzungsdauer? Gleiche Ausgangsleistung? Nur die Bildungsforschenden können sagen, was wissenschaftlich sinnvoll ist – nur Robin weiß, was technisch entscheidbar ist. Genau hier müsst ihr euch zusammenraufen: Keine Seite kann das allein entscheiden.
Spielregeln
- Bleibt in eurer Rolle. Argumentiert aus den Zielen und Sorgen eurer Rollenkarte heraus.
- Was ihr sagen dürft – und was nicht. Auf eurer vertraulichen Karte steht ein Kästchen „Das darfst du offen sagen” und „Das behältst du zunächst für dich”. Euer öffentliches Anliegen dürft ihr jederzeit einbringen; euer verdecktes Ziel, eure rote Linie und euren Trumpf gebt ihr nicht von selbst preis – die sollen die anderen im Gespräch herauskitzeln. Erfindet nichts dazu, was eurer Rolle widerspricht.
- Blockiert nicht komplett. Ihr dürft es Robin schwer machen (nachhaken, abschweifen, auf Deadlines pochen) – aber das Spiel muss weiterlaufen.
- Es gibt keine „richtige” Lösung. Verschiedene Gruppen kommen zu verschiedenen, gleichermaßen vertretbaren Ergebnissen (siehe mögliche Ausgänge).
- Die Spielleitung wirft während des Spiels neue Informationen ein (siehe Ereignisse & Timeline). Reagiert darauf im Meeting.
Ergebnissicherung
Haltet am Ende des Meetings auf einem Flipchart / Miro-Board fest:
- Was wird gebaut – und was bewusst (noch) nicht? (Scope & Priorisierung)
- Wer macht was bis wann? (Aufgaben, Verantwortliche, grober Zeitplan)
- Welche Erwartungen und Zusagen wurden ausgesprochen?
- Welche offene Frage nehmt ihr mit ins nächste Meeting?